Schwierige Gefühle

Wir alle kennen »schwierige« Gefühle. Ärger, Enttäuschung, Sorgen und Ängste gehören ebenso dazu wie Wut, Hass oder Neid und auch Bedürfnisse, von denen wir aus bestimmten Gründen meinen, sie nicht äußern zu können oder zu dürfen: etwa das Bedürfnis danach, das die eigenen Grenzen respektiert werden, das Bedürfnis nach Geborgenheit, Liebe, Sicherheit oder Verbindlichkeit. Und natürlich tauchen die »schwierigen« Gefühle immer im unpassendsten Augenblick auf. Sie verändern unsere allgemeine Gefühlslage und damit unsere Wahrnehmung. Sie können uns verunsichern, in innere Konflikte stürzen oder uns zwingen etwas zu sagen oder zu tun, was wir gar nicht sagen oder tun wollen. Sie haben die gleiche Kraft wie die sogenannten »postiven« Gefühle, vielleicht sogar den gleichen Sog, wie Verliebtheit oder Vorfreude.

Was mach ein Gefühl zu einem »schwierigen« Gefühl?

Warum sind manche Gefühle »schwierig«? Sie sind schwierig, weil es uns sehr schwer fällt, sie auf angemessene Weise auszudrücken – und das kann schwerwiegende Folgen für unsere psychische und körperliche Gesundheit aber auch unser zwischenmenschlichen Beziehungen haben. Ein Patient hat es mal so formuliert: »Ich wickle ganz lange auf – aber wenn das Maß voll ist knallt es.« Das ist der Klassiker im Umgang mit Gefühlen wie Ärger und Wut. Viele machen das so. Doch auf Dauer tut das niemandem gut, denn in Gefühlen sind enorme Kräfte verborgen – und wichtige Botschaften, die es Wert sind gefühlt und verstanden zu werden. Und: Gefühle haben die Macht unser Leben zu verbessern – auch die »schwierigen«.

»Schwierige«Gefühle können uns gefangen halten

Besonders die »schwierigen« Gefühle irritieren, vereinnahmen und beschäftigen uns oder lenken uns ab, so lange, bis wir ihnen Ausdruck verliehen oder sie reflektiert und verarbeitet haben. Doch je nachdem welche Erfahrungen wir in unserem Leben bisher gemacht haben und wie wir geprägt wurden, fällt es uns schwer, gerade mit »schwierigen« Gefühlen umzugehen.

»Schwierige« Gefühle erzeugen biochemischen Stress im Körper

Wenn wir negative Gefühle oder einen inneren Konflikt quälend lange mit uns herumtragen und einfach keine Lösung finden, kann der biochemische Stress, der durch den seelischen Stress entsteht, tatsächlich Krank machen. Denn unser Körper reagiert auf inneren Stress genauso wie auf äußeren. Das bedeutet, auch unsere Gedanken und Gefühle beeinflussen, über die Brücke der biochemischen Botenstoffe, unsere Gesundheit.

Ungelöste Konflikte machen krank, denn sie verschieben das gesunde biochemische und hormonelle Gleichgewicht in Richtung Stress.

Viele Menschen schlucken Gefühle wie Wut, Ärger oder Enttäuschung lieber herunter, statt sich damit in eine persönliche Auseinandersetzung zu begeben. Das ist total verständlich und sicherlich im ersten Moment meist auch richtig. Schwierig wird es jedoch, wenn wir uns dann nicht weiter um die  Wut oder den Ärger kümmern und wenn die Enttäuschung im Inneren weiter brodelt! So kann auf der emotionalen Ebene eine tiefe, jedoch unbewusste Aversion gegen die Person (oder Situation) entstehen, die uns verärgert oder enttäuscht hat. Beim nächsten Konflikt kann es dann passieren, dass wir vollkommen überreagieren oder aber uns innerlich abwenden – was ganz unbewusst geschieht. Auf diese Weise sind schon viele Freundschaften zerbrochen. Wir begegnen diesem Phänomen auch bei der »inneren Kündigung« zu der es kommen kann, wenn ein Konflikt bestehen bleibt, weil es zu keiner Klärung gekommen ist. Oft gesellt sich zu einem Gefühl wie Ärger oder Wut auch noch das Gefühl von Ohnmacht dazu, das ebenfalls ein sehr schwieriges Gefühl ist – und gefährlich. Niemand fühlt sich gerne ohnmächtig. Viele Menschen werden aus diesem Gefühl der Ohnmacht heraus (unbewusst) reaktiv und machen dann alles nur noch schlimmer z.B. durch bestimmte Reaktionen, Forderungen oder Kommentare. 

Fühlen ist gesund!

Gefühle zu verdrängen, ist nicht gesund! Deshalb ist es so wichtig, sich den eigenen Gefühle bewusst und aktiv zuzuwenden – auch den unangenehmen und schwierigen. Denn am Boden  dieser Gefühle liegt immer ein ganz wichtiges Stück der persönlichen Wahrheit. Diese Wahrheit ist wesentlich, denn sie ist es, die die Kraft besitzt, das Problem zu lösen. Schon ganz häufig habe ich erlebt, dass genau das, was sich jemand nicht traut zu sagen, am Ende eine tiefe Wahrheit, eine tiefe Einsicht enthält oder auch den entscheidenden Hinweis ist, der die Situation auf positive Weise aufklärt. Oft entsteht ein ganz neues Verständnis füreinander, dass mehr Tiefe in eine Beziehung bringt. Die meisten Menschen besitzen ein sehr feines Gespür für ihre Mitmenschen. Den meisten wurde es einfach aberzogen, diese innere Wahrheit zu fühlen und vor allem auszudrücken. 

Gefühle verwandeln sich, wenn wir nicht mit ihnen umgehen

Für verschiedene Menschen verschiedene Gefühle schwierig: Menschen die zum Beispiel  gelernt haben ihre eigenen Bedürfnisse routinemäßig zu unterdrücken, weil sie gelernt haben immer funktionieren zu müssen, stehen dann vor einem schier unüberwindlichen Hindernis. Wenn sie aufgefordert werden, um ihrer Gesundheit Willen, diese durchaus berechtigten Bedürfnisse, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Ruhe und Erholung oder Geborgenheit aber auch Unterstützung und Verlässlichkeit in einer Beziehung anzusprechen. Bei Menschen, die sich mit so einem Gefühl oder Bedürfnis nicht bewusst auseinandersetzen, taucht es dann in vielen Fällen, im neuen Gewand z.B. als (übertriebene) Fürsorge für Andere wieder auf.

Nicht ausgedrückte Bedürfnisse können zu Selbsthass führen

Auch Wut und Ärger verwandeln sich, wenn wir uns nicht aktiv mit ihnen auseinandersetzen: Manche Menschen richten ihre Wut dann bewusst oder unbewusst gegen sich selbst und machen sich selbst innerlich runter, andere stört plötzlich die Fliege an der Wand oder sie lassen den Ärger auf ungerechte Weise, vielleicht an ihren Nächsten, ihrem Partner, ihren Kindern oder ihren Haustieren aus. 

Grübeln und das Unterdrücken von Gefühlen macht krank

Nimm dir Zeit, wenn du bemerkst, dass dich ein Konflikt beschäftigt, du nicht aufhören kannst darüber nachzugrübeln oder du dich unter Druck gesetzt fühlst. Besonders das Grübeln macht krank. Es hält dich nicht nur in einer negativen, destruktiven Stimmung gefangen, sondern verhindert auch, dass du deinen Blick anheben und über den Tellerrand schauen kannst. Und vor allem: Es verhindert, dass du auch die guten und positiven Dinge in deinem Leben wahrnimmst, die es, bei allen Problemen, ja auch immer gibt. Wenn du deine »schwierigen« Gefühle unterdrückst, verschwinden sie lediglich aus deinem Bewusstsein – und beginnen nach einer Weile ein ungesundes Eigenleben. Die seelische Anspannung und mit ihr die biochemischen Reaktionen stauen sich an und können nicht »abfließen«. 

Nimm dir Zeit und beschäftige dich mit deinen »schwierigen« Gedanken und Gefühlen!

Wenn du sowieso die ganze Zeit grübelst, kannst du dir genauso gut Zeit nehmen, um die Gedanken und Gefühle bewusst zu erforschen, die der ganzen Grübelei zugrunde liegen. Um so schneller kann sich die tiefere Botschaft zeigen und das Problem aus der Welt geschafft werden. 
Gefühle wie Ärger und Sorgen aber auch das Grübeln darüber und das Unterdrücken unangenehmer Gefühle, erzeugen biochemischen Stress, und sorgen zugleich dafür, ihn zu erhalten. Das Problem:

So lange du im Grübeln, in deinen Sorgen oder deinem Gefühl von Ohnmacht und Sprachlosigkeit gefangen bist, bleiben auch die innere Anspannung und damit der biochemische Stress.

Die lebenswichtige biochemische GEGEN-PENDEL-BEWEGUNG wird verhindert – und damit auch Entspannung, Reinigung und Selbstheilung. 
Bleibt die biochemische GEGEN-PENDEL-BEWEGUNG aus, können keine Entspannungshormone ausgeschüttet werden! Das Unvermögen zu entspannen lässt bei vielen Menschen die Ängste oder den Ärger zusätzlich wachsen – und führt nicht selten direkt in den Burnout. 

Zur Ruhe kommen

Erst wenn wir geistig und körperlich zur Ruhe kommen und Erholung finden, können die körpereigenen Entspannungshormone wie Serotonin, Dopamin oder Oxytizin ausgeschüttet werden. Dann erst kommt es zu einer tiefgreifenden körperlichen und seelischen Entspannung, Erholung und Reinigung des Körpers. 

  • Jetzt erst hat die Seele Zeit, die belastenden Ereignisse zu verdauen. 
  • Jetzt erst hat das Immunsystem Zeit und Energie den Körper vollständig zu reinigen, zu entgiften und vor allem von veränderten Zellen zu befreien. 
  • Jetzt erst können die Entspannungshormone dafür sorgen, das auch auf der emotionalen Ebene Erholen und Ausgleich gefunden werden. 


Durch die Entspannungshormone erlebst du das Gefühl von Sicherheit. Diese Hormone geben uns beispielsweise auch das Gefühl mit den richtigen Menschen am richtigen Ort zu sein. Was für ein schönes Bild und so wichtig, damit du dein seelisches Gleichgewicht wiederfinden und zu Kräften kommen. 
Deshalb ist das Fühlen allgemein, aber vor allem der bewusste Umgang mit allen Gefühlen, so gesund. 

Wenn »schwierig« Gefühle dich belasten: Schreib sie dir von der Seele

Das Schreiben ist eine sehr gute Methode, wenn du dich mit deinen eigenen Gefühlen und Bedürfnissen näher beschäftigen möchtest. Es hilft dir, dich von dem Druck, der auf dir lastet zu befreien, denn du kannst dich in einem geschützten Raum mal so richtig auslassen und dabei ganz ehrlich sein. Niemand wird das, was du aufschreibst je zu Gesicht bekommt – das ist die Grundvoraussetzung, um ganz ehrlich schreiben zu können. Am Ende wirst du den Text nämlich vernichten. 
Ziehe dich zum Schreiben an einen ruhigen Ort zurück, atme ein paar mal tief ein und aus und komme ganz bei dir an. Dann frage dich: Worum geht es eigentlich? Was genau ist passiert? Seit wann und warum stehe ich so unter Strom? 

Nimm kein Blatt vor den Mund. Beschreibe alles genau so, wie du es denkst oder empfindest. Trau dich auch Schimpfworte, die sowieso in deinem Inneren kreisen, aufs Papier zu bringen! Du darfst wütend sein, du darfst enttäuscht sein, du darfst miese Sachen denken und aufschreiben, du hast ein Recht auf deine Gefühle – auch wenn sie »schwierig« sind. All das aufzuschreiben nimmt den Druck raus und hilft dir bei der inneren Klärung. 
Bei inneren Konflikten ist es besonders hilfreich beide Seiten, beide Wünsche beziehungsweise die wiederstreitenden Bedürfnisse einfach mal zu Papier zu bringen. 
Durch das Schreiben gelingt es die Zügel wieder in die eigenen Hände zu nehmen. Diese Technik hilft besonders bei der Verarbeitung von »schwierigen« Gefühlen, Konflikten oder Situationen, die einen nahezu sprachlos oder hilflos machen. 
Am Ende des intensiven Schreibprozesses zeigt sich die Essenz: In der Regel bleiben zwei oder drei wichtige Sätze übrig, die dann sogar ausgesprochen werden können, um die Lage zu bereinigen. Übrigens kann man diesem Prozess nicht vorgreifen: Erst müssen alle Gefühle und Gedanken »rausgeschrieben« werden – also auf den Tisch –, damit sich die dunklen Wolken verziehen können und sich die Ursache des Problems zeigt. 
Falls du nicht weißt, wie du anfangen sollst, beginne damit die Situation zu beschreiben, wie sie ist. Was ist passiert? Wie war das für dich? Was genau wurmt dich eigentlich so? 
Am Ende wird der Brief verbrannt oder wenn das nicht möglich ist, in ganz kleine Stücke gerissen und ins Klo geworfen. Dieses Ritual hilft dir zusätzlich die Gefühle loszulassen.