Blume und Logo von Anette Dröge
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Zwölffingerdarm Geschwür

 

Einer meiner Patienten war mit starken wiederkehrenden Oberbauchschmerzen gekommen. Im Verlauf der Anamnese berichtete er, dass er in einer komplizierten Beziehung lebte, in der er eher in der Rolle des Versorgers war. Seine Partnerin schien ein sehr anspruchsvolles und raumgreifendes Wesen zu haben. Diese Rollenverteilung spiegelte allerdings auch sehr gut die familiäre Grundstimmung wieder, in der er aufgewachsen war. Seine Mutter war psychisch krank gewesen mit einer manischen Depression. Deshalb drehte sich das Familienleben zu einem großen Teil nur um sie, die ihrerseits wenig für ihre Kinder da war. 

Zum einen hatte mein Patient Angst, vielleicht selber eine psychische Störung zu haben, zum anderen hatte er liebevolle Geborgenheit nur selten erlebt, bzw. waren diese Momente immer mit der Gefahr verbunden, jeder Zeit kippen zu können und sich in eine bedrohliche Situation zu verwandeln. Einerseits war er darauf geimpft worden, ständig auf die Stimmungen seiner Mutter zu achten, andererseits war Entspannung immer mit der Gefahr eines Übergriffs verbunden gewesen. 

Es ist leicht nachzuvollziehen, dass er auch im Erwachsenenalter große Schwierigkeiten hatte sich zu entspannen, anzuvertrauen oder gar versorgen zu lassen. Zweitens war es klar, dass eine Trennung von seiner Partnerin in diesem Moment auch nicht die Lösung war, denn sein Verhalten wurde ganz stark durch die „Brille" bestimmt, durch die er die Welt sah., damit sind die Prägungen und Werte gemeint, die er in seiner Kindheit erlernt und bekommen hat. 

Es gab in der Beziehung Momente, wo es ihm wirklich schlecht ging. Er hatte mit beruflichen Schwierigkeiten zu kämpfen und trotzdem schob sich seine Partnerin in den Vordergrund durch ihre eigenen Probleme. Es war ein harter Weg für meinen Patienten in dieser Umgebung zu lernen, sich gegen die dauerhafte Bedürftigkeit seiner Freundin abzugrenzen und für seine eigenen Bedürfnisse einzustehen - und wenn es war, dass er nur einmal alleine sein wollte. 

Er machte dann allerdings zu seiner eigenen Überraschung die Erfahrung, dass seine Partnerin nicht wie seine Mutter war, sondern je klarer und ehrlicher er wurde und lernte seine Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, desto klarer und liebevoller wurden die Antworten. Seine Freundin war nämlich ihrerseits daran verzweifelt, dass er nie etwas haben wollte, ihre Fürsorglichkeit nicht annehmen konnte und sie immer das Gefühl gehabt hatte, dass er sich nie richtig auf die Beziehung eingelassen hatte. Er schien „überselbstständig" zu sein und neigte sich ihr besonders gerne zu, wenn sie Probleme hatte und seine Hilfe brauchte. Mit den Momenten von Ruhe, Zärtlichkeit oder wenn sie für ihn da sein wollte, hatte er so seine Schwierigkeiten. Er flüchtete sich dann in eine überkritische Haltung und hielt sie so auf Abstand. 

Sie hatten sich in einem Rollenverhalten festgefahren, in der mein Patient versucht hatte durch Fürsorglichkeit und Aufmerksamkeit Nähe herzustellen und seine Freundin hatte versucht durch Ratsuchen und die Bewältigung ihrer Probleme Nähe herzustellen. Sie lernten im Laufe der Zeit gemeinsam abwechselnd für einander da zu sein. Sie planten Zeit ein für gemeinsame Mußestunden, Essen, Gespräche und Unternehmungen. Kochen und aufzuräumen waren wichtige Themen. Sie ordneten ihre Wohnung neu und versuchten so für jeden einen schönen wohligen Raum zu schaffen. Mein Patient lernte im wahrsten Sinne des Wortes auf seinen Bauch zu hören und loszulassen - letzteres war noch schwieriger. 

Psychosomatische Therapie bei Darmgeschwüren 

In den Therapiestunden arbeiteten wir anfangs viel mit Gesprächen, dann folgte eine Phase mit viel Körperarbeit, in der er ein völlig neues Körpergefühl entwickelte. Durch Druck, Halt und einfache Übungen, die ihn mit seinem Atem und seinem Körper wieder in Kontakt brachten, konnte er nach und nach spüren lernen, wie er sich fühlte und was er brauchte. 

Alte Spannungen in seinen Muskeln lösten sich und er bekam regelmäßig am Ende der Stunden Hunger. Dadurch entwickelte er ein Ritual nach den Stunden für sein leibliches Wohl zu sorgen. 

In dem er selber besser mit seinen Bedürfnissen in Kontakt kam, konnte er sich selbst besser darum kümmern und besser einfordern und annehmen. In dem Maße wie seine Bewusstheit stieg und seine Selbstversorgung - konnte er die Unterstützung seiner Freundin besser annehmen! 

Dieses Beispiel zeigt gut die Komplexität des Heilungsweges. Mit dem Erwerb einer neuen Kompetenz ist es hier nicht getan. Es braucht mehrere Schritte. Es ist fast eine paradoxe Entwicklung nötig. 

Durch bessere Selbstversorgung können wir die Unterstützung von außen besser annehmen. Dazu ist es aber zunächst notwendig, in die schmerzhafte Zone einzutauchen und überhaupt erstmal - am besten mit Unterstützung - spüren zu lernen, was eigentlich los ist; worum es bei den Beschwerden geht und welches „Gewürz" in die gute Suppe muss, damit es uns besser geht. 

 

>> Zum kompletten Artikel über das Zwölffingerdarm Geschwür aus psychosomatischer Sicht

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